Erinnerungsstätte DDR Grenze - Wanderung entlang der ehemaligen Grenze der DDR - © andi-h/pixelio.de

“Strenge Maßnahmen” an der innerdeutschen Grenze

In den vierzig Jahren des Bestehens der innerdeutschen Grenze verloren ca. 1100 Menschen ihr Leben bei dem Versuch, diese Grenze von Ost nach West zu überwinden. Sie wurden Opfer der “strengen Maßnahmen”, die für den Fall eines Fluchtversuchs vorgesehen und vorgeschrieben waren. Unter “strenge Maßnahmen” war  der Gebrauch der Schusswaffe zu verstehen.

Aber das konnte die Menschen nicht abschrecken. Tunnel, Flugzeuge, Heißluftballons und Luftmatratzen waren ebenso Hilfsmittel wie schwere Zugmaschinen oder Fahrzeuge der Grenzsicherungstruppen. Der Anteil von Angehörigen der Armee- und Grenzsicherungseinheiten an den Flüchtenden war hoch und sie schossen auch auf die eigenen Kameraden, um nicht selbst erschossen zu werden. Ca. 30 dieser Soldaten und Polizisten kommen dabei ums Leben.

Im August 1962 kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall, der großes Aufsehen in Ost und West erregt: Nach dem Mauerbau in Berlin werden die gesamten Grenzanlagen im Osten verstärkt. Hierzu sind Pioniere der Nationalen Volksarmee (NVA) unter Bewachung bewaffneter Soldaten der NVA auch an der grünen Grenze zwischen Hessen und Thüringen im Einsatz. Westliche Bundesgrenzschutzbeamte (BGS) beobachten die Bauarbeiten und nähern sich dem Schutzstreifen – zu nah, nach Ansicht der NVA Soldaten. Der Grenzverlauf ist unübersichtlich, der Grenzstein durch Bewuchs verdeckt.

Es fällt ein Warnschuss Ost, die Situation eskaliert und es kommt zum Schusswechsel, bei dem ein Hauptmann der NVA von einer Kugel ins rechte Auge getroffen wird und beim Transport in das Krankenhaus stirbt.

Ermittlungen folgen, jedoch getrennt nach Ost und West. Der Todesschütze des BGS bleib straffrei. Er versichert glaubhaft, in Notwehr gehandelt zu haben. Bis zur Wende ist sein Name nur in internen Unterlagen des BGS vermerkt und weitere Ermittlungsverfahren wurden eingestellt, ohne dass sein Name öffentlich wurde.

Nach der Wende verlässt der Mann den BGS und wird Taxiunternehmer in Hünfeld. Mitte der 1990er berichten zwei Fernsehreportagen über den Fall aus dem Jahr 1962. Der Todesschütze schildert in Interviews seine Sicht der Dinge. Bei der zweiten Sendung 1997 wird sein Name genannt, ist sein Gesicht zu sehen.
Ein knappes Jahr später, am frühen Morgen des 15. März 1998, findet die Polizei seine Leiche 5 km vom damaligen Ort des Schusswechsels entfernt neben seinem Taxi. Seine Einnahmen sind unberührt und die Tod bringende Kugel trat im rechten Auge in den Kopf ein.

Foto: andi-h/pixelio.de

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