Marienberg – im Erzgebirge ankommen

Der Stadtkern von Marienberg - © AEROBILD 2000, 04509 Löbnitz - Sachsen
Der Stadtkern von Marienberg - © AEROBILD 2000, 04509 Löbnitz - Sachsen

Was hat Marienberg mit einer Weltstadt gemeinsam? Ein Taxifahrer, den wir am Marienberger Rathaus treffen, bringt es auf den Punkt: "Bei uns können Sie sich nicht verlaufen, alles quadratisch - wie in New York".  Und in der Tat imponiert die Erzgebirgsstadt Marienberg durch den quadratischen Grundriss, durch ihre großzügigen Plätze, die breiten Straßen, die stattlichen Gebäude.

Marienberg wurde 1521 gegründet und als Planstadt von Ulrich Rülein von Calw angelegt. Die Stadt, so erläutert uns Ulrike Knoll von der Tourismus-Information der Stadt, ist damit die früheste noch erhaltene Idealstadt der Renaissance nördlich der Alpen - "eine absolute Besonderheit!"
Nach dem Vorbild Marienbergs wurden später noch weitere Bergstädte angelegt, jedoch wurde diese absolute Regelmäßigkeit im Grundriss nie wieder so in Vollendung erreicht wie in Marienberg.

Zum Bethaus

Unsere Wanderung starten wir auf dem Marktplatz. Vom Rathaus gehen wir nach links bis zur Zschopauer Straße und folgen ihr bergan durch das Stadttor. Weiter gehen wir bis zur Stadthalle, merken dann aber, dass es keine gute Idee war und laufen ein Stück zurück wieder bis zum Tor.
Auf dem Rückweg kommen wir an einem DDR-grauen Gebäude vorbei, und es fällt uns ein etwas verblichenes Schild an der Hauswand auf mit der schlichten Aufschrift "Bethaus":
Freikirchliche Gemeinden haben in Sachsen traditionell eine große Anhängerschaft. Entstanden aus der pietistischen Erneuerungsbewegung des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die Verweltlichung des Glaubens und die Erstarrung der Amtskirche, führen sie heute eigenständige Gemeinden unter dem Dach der Landeskirche. Sie sind geprägt durch die Bibel als Grundlage des Lebens, Mission als Aufgabe und ein starkes Gemeinschaftserlebnis im Glauben.

Im unteren, staubigen Fenster des Bethauses läuft eine Endlos - Leuchtreklame mit einem Bibelzitat: " Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht an ihn zu glauben und Kinder Gottes zu werden". Wir nehmen uns aus einem Zettelkasten die Kurzversion des Johannesevangeliums mit für unsere Wanderung.

Daten & Infos

Die oben verwendete Karte als PDF
Strecke: ca. 15 Kilometer
Schwierigkeitsgrad: leicht

Dauer: ca. 4 Stunden

Wanderkarten und Reiseführer:

Kompass - Digitale Wander- u. Fahrradkarte

Wanderkarte Marienberg: mit Ausflugszielen, Einkehr- & Freizeittipps und Nebenkarte Olbernhau - Rübenau, 1:25000

Radwander- und Wanderkarte Obererzgebirge: Radeln und Wandern zwischen Kurort Oberwiesenthal, Annaberg-Buchholz und den Greifensteinen. 1:35000

Topographische Sonderkarten Sachsen. Bl. 27. Mittleres Erzgebirge /Marienberg, Olbernhau, Zöblitz, Lauterbach, Rübenau, Kühnhaide. 1:25 000

DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Erzgebirge & Vogtland

Am Tor angelangt, gehen wir die Straße mit Namen "Schillerlinde" links ab. An deren Ende geht es kurz nach rechts und sofort wieder links in den Turnvater-Jahn-Weg. Wir stoßen auf eine Kleingartensiedlung und gehen rechts in den Weg "Vor der Stadt".

Am Lauterbach

Nach Passieren der Stadtgrenze erreichen wir die Umgehungsstraße, die B 174. Ihr folgen wir auf einem Wirtschaftsweg bergab, bis wir den Lauterbach erreichen.
In Richtung Lauta das Tal aufwärts geht es bis zu einer Baumgruppe und dann nach rechts, dem blauen Balken folgend, Richtung Lauterbach. Nach kurzer Strecke unterqueren wir die B 174 und es geht weiter gen Lauterbach.

Eine ganze Weile begleitet uns ein vier Meter breiter Gehölzstreifen aus heimischen Sträuchern und Bäumen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Ausgleichsmaßnahme im Zuge des Straßenbaues. Zudem sind die Gehölze sinnvoll zur Auflockerung der Felder, die hier bis zu 26 Hektar groß sind.

  • Wanderung in Marienberg / Erzgebirge
    Marienberg im Herbst - © Norman Pörschke/pixelio.de
  • Wandern im Erzgebirge bei Marienberg
    Wehrkirche Lauterbach - © Stadtverwaltung Marienberg
  • Wanderung Marienberg - Lagerstätte für Brennstäbe - © R. Stohp/Geschichte zu Fuß
    Lagerstätte für Brennstäbe - © R. Stohp/Geschichte zu Fuß
  • Burgruine Niederlauterstein bei Marienberg im Erzgebirge- © 360-Grad-Team
    Burgruine Niederlauterstein - © 360-Grad-Team
  • Bergbaugeschichte Marienberg: der Pferdegöpel
    Bergbaugeschichte Marienberg: der Pferdegöpel - © Stadtverwaltung Marienberg
  • Marienberger Bergbaugeschichte, Pferdegöpel, Schmiede
    Marienberger Bergbaugeschichte, Pferdegöpel, Schmiede - © 360-Grad-Team
  • Schaubergwerk Molchner Stollen
    Schaubergwerk Molchner Stollen - © 360-Grad-Team
  • Ausstellungen "Böttcherfabrik"; Maschinenbaufabrik - © 360-Grad-Team
    Ausstellungen "Böttcherfabrik"; Maschinenbaufabrik - © 360-Grad-Team
  • Museum sächsisch-böhmisches Erzgebirge
    Museum sächsisch-böhmisches Erzgebirge - © 360-Grad-Team

Wehrkirche

An der Kreuzung mit einem Plattenweg gehen wir rechts die Baumallee bis zur Verbindungsstraße Marienberg-Lauterbach. Wir sehen schon die Wehrkirche von Lauterbach und folgen der Fahrstraße ein Stück bis zum Friedhof, als dessen Kapelle die Kirche dient.

Lauterbacher Tropfen

Nach einer Besichtigung verlassen wir das Areal in Richtung Ortsmitte und wenden uns an der Ortskirche rechts in das Niederdorf. Wer möchte, macht einen Abstecher zur Brennerei des "Lauterbacher Tropfens" im Oberdorf 45. Museum, Laden und Verkostung der Produkte werden hier angeboten von Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr und samstags bis 12 Uhr. Für uns zu früh und zu heiß (30° im Schatten).

Wir gehen weiter durch das Niederdorf. Straßennamen gibt es nicht. Nach ein paar hundert Metern macht unsere Straße eine leichte Rechts - und dann eine Linkskurve. An der Autowerkstatt von Uwe Loos gehen wir rechts bergan, dem Ortsrand zu. Links ein großer Milchviehstall und vor uns ein Schotterweg, der etwas beschwerlich zu laufen ist. Ein kurzes Stück und wir gehen links dem Wanderweg mit dem blauen Balken nach.

Rast beim Landkaufhaus

Schon bald erreichen wir die ersten Häuser von Niederlauterstein. Den Schlossberg abwärts, an der Gaststätte "Zur Burgruine" vorbei, machen wir eine Rast beim Landkaufhaus gegenüber. Wir erwerben eine Auswahl an Wiegefleisch, Heringssalat und diversen Backwaren und setzen uns vor dem Eingang auf eine Bank.
Wer ein Mitbringsel für die Lieben daheim sucht, nimmt ein Glas original erzgebirgische "Flecke" mit - in der Pfanne gebraten schmecken sie sehr gut mit Weißbrot; was drin ist sollte man für sich behalten!

Spaltbares Material

Weiter geht es die Straße abwärts bis zum Heimatverein. Hier links in den Weg "Neue Siedlung" und nach ein paar Häusern rechts in die Gänsegasse. An einem großen Bauwagen mit der Aufschrift "Gott hat viele Anhänger" vorbei, kommt rechts eines der so häufigen Holzlager ins Blickfeld. Dessen Eigentümer hat Humor: Ein Schild mit dem Gefahrzeichen für radioaktive Strahlung warnt uns: "Achtung! Lagerstätte für Brennstäbe und spaltbares Material". 

An einer etwas skurrilen Werkstatt für Holzschnitzereien und "Karikaturen ihrer Lieben", stoßen wir wieder auf die Straße "Schlossberg" und sehen auch schon die Ruine.
Hier wird unsere Karte ungenau und man muss aufpassen. Auf der rechten Straßenseite, noch vor der Ruine, führt der Wanderweg über den Hof des Hauses Nr. 7, um das Haus herum, an der Bergkante entlang und mündet nach einem Schuppen in einen Trampelpfad, der bergauf in den Wald führt.

Zur Ruine

Um die Ruine und den Viktoria Stolln zu besichtigen, muss man die Straße weiter gehen. Am Aufgang zur Ruine vorbei geht es kurz vor der Pockaubrücke rechts rein zum Stolln, der nach wenigen Metern erreicht ist.
Nach Besichtigung der Ruine gehen wir zurück zu Haus Nr. 7 und auf dem Wanderweg bergauf bis zur Marienberger Straße. Hier halten wir uns kurz links und biegen dann rechts in den Kuhweg.
An der Pension "Silbererz" vorbei und den Kirchweg bergab erreichen wir die Rittersberger Straße. Hier geht es rechts.

Am Ende der Straße kommt links die Kleingartensiedlung "Tiergarten". Unser Weg, mit einem grünen Balken markiert, führt geradeaus in den Wald Richtung Hüttengrund. Nach einer Bank im Tal des Krötenbachs überqueren wir den Bach und wandern die andere Talseite bergauf. Auf der Höhe angekommen, geht es links an Ferienhäusern und Pferdeweiden vorbei wieder abwärts zum Lauterbach.

Wir kommen nun an die B 171. Hinter dem Gebäude an der Straße biegen wir rechts in den Feldweg oberhalb des Lauterbachs. Nach kurzer Zeit kommt wieder eine Fahrstraße, die wir überqueren. Nun folgen wir dem Lauterbach bis zum Viadukt der B 174. Linkerhand erreichen wir schließlich den uns bekannten Weg zurück nach Marienberg.