Eisenach. Das Nicolaitor in Eisenach - ©Interim/pixelio.de

Wartburgstadt Eisenach

Städteporträt Eisenach mit Wanderung auf die WartburgIn der Mitte Deutschlands, im westlichen Teil Thüringens und nahe der Grenze zu Hessen, liegt Eisenach am Flüsschen Hörsel. Mit über 41.000 Einwohnern ist Eisenach Mittelzentrum und traditioneller Industriestandort. Fast ein Fünftel der thüringischen Industrieproduktion kommt aus der Wartburgstadt.

Eisenach ist zudem neben Weimar, Erfurt und Jena eine der Touristenhochburgen Thüringens. Mehr als 300.000 Gästeübernachtungen pro Jahr kann die Stadt verbuchen. Die Wartburg, das Bachhaus und das Lutherhaus sind die wichtigsten Anziehungspunkte.

Eisenachs Geschichte

Die Region ist in der Frühzeit von Kelten besiedelt, die abgelöst werden von den  germanischen Thüringern, deren Königreich wiederum 531 n.Chr. von den Franken zerschlagen wird. Die nachfolgenden fränkischen Siedler gelten als die Gründer Eisenachs.

Die verkehrsgünstige Lage am Handels- und Heerweg des Rennsteigs sowie die Nähe zu rohstoffreichen Naturräumen führen zum schnellen Aufstieg Eisenachs als Handelsplatz.

1067 gründet der Landgraf Ludwig der Springer die Wartburg oberhalb der Stadt als Stammsitz seiner Familie, dem Geschlecht der Ludowinger.

Unter den Landgrafen von Thüringen erlebt Eisenach bis zur Mitte des 14. Jahrhundert einen Aufstieg als politisches und wirtschaftliches Zentrum inmitten des Herrschaftsgebietes Hessen-Thüringen.

Die Wartburg wird Sitz der Landgrafen und ihrer Familien, darunter die heilige Elisabeth, Frau des Landgrafen Ludwig IV.

Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe, verleiht Eisenach 1246 das Stadtrecht. 1247 stirbt er und ein Erbfolgekrieg beginnt, an dessen Ende das Haus der sächsischen Wettiner die Landgrafschaft und die Stadt übernehmen.
1306 versucht die Stadt freie Reichsstadt zu werden, scheitert aber 1308 am Widerstand der wettinischen Herren.

1342 zerstört ein Brand große Teile der Stadt. 1349 und 1393 brechen Pestepidemien mit tausenden von Toten aus, 1406 verliert Eisenach auch noch die Hofhaltung der Landgrafen und fällt nach der Teilung der Landgrafschaft an die Ernestiner Linie der sächsischen Kurfürsten – der Niedergang Eisenachs beginnt.

Es folgen die Reformation mit dem Aufenthalt Luthers auf der Wartburg 1521/22, die Bauernkriege mit dem Zug des Werrahaufens vor die Stadt 1525 sowie Zerstörungen von Kirchen und Klosteranlagen durch Bürger der Stadt, bis Eisenach 1528 evangelisch wird.

Die politische Lage beruhigt sich und 1596 kann Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Eisenach, seine Residenz von Marksuhl in das nun wieder repräsentativere Eisenach verlegen.
Der Aufschwung währt nur kurz, denn erneute Pestepidemien und der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 schädigen die Stadt schwer.

Ende des 17. Jahrhunderts, 1685, wird Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren.
In dieser Zeit entwickelt sich die Stadt unter der Hofhaltung des Fürsten zu einem Zentrum der Kultur des Barock.
1741 fällt das Herzogtum Sachsen – Eisenach an das Haus Sachsen – Weimar und nennt sich fortan Sachsen – Weimar – Eisenach.

Die barocke Blüte der Stadt erfährt zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den napoleonischen Kriegen einen herben Rückschlag.
1807, 1810 und bei seinem Rückzug 1813, wird die Stadt durch französische Truppen schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Zur Erinnerung an den Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und zum Gedenken an die Reformation 300 Jahre zuvor, versammeln sich im Jahr 1817 Studenten auf der Wartburg zum Wartburgfest.
Politische Bedeutung erlangt die Stadt auch durch die Gründung des Deutschen Nationalvereins 1859 im Gasthaus Phantasie und durch die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1869 im Gasthaus Löwen.

Das 19. Jahrhundert prägt Eisenach als aufstrebenden Industrie – und Dienstleistungsstandort sowie als bevorzugten Wohnort begüterter Pensionäre.

Am 22. Mai 1902 wird in Sichtweite der Wartburg auf der Göpelskuppe das in zweijähriger Bauzeit entstandene Burschenschaftsdenkmal eingeweiht, welches an die Freiheitsbewegung der akademischen Jugend erinnert, die von der Wartburg und Jena ausgingen.

Den ersten Weltkrieg erlebt die Stadt als Standort von Heeresverbänden. Der Kapp Putsch 1920 und dessen militärische Niederschlagung kostet fünf Eisenacher das Leben. Der Machtübernahme der NSDAP 1933 folgt wirtschaftlicher Aufschwung und die Einwohnerzahl erreicht ihren höchsten Wert überhaupt mit über 50.000 Einwohnern im Jahre 1940.
In diese Zeit fällt die Zerschlagung der jüdischen Gemeinde und – in der Reichsprogromnacht – der Brand der Synagoge.

1940 an das Reichsautobahnnetz angeschlossen, wird Eisenach Standort wichtiger Kriegsproduktion. Tausende Zwangsarbeiter müssen in Eisenacher Fabriken kriegswichtige Produkte herstellen.
In der Schlussphase des zweiten Weltkrieges ist die Stadt Ziel alliierter Luftangriffe, welche das Automobilwerk, tausende Wohnungen und zahlreiche historische Bauten zerstören.

Nach der Kapitulation der Wehrmacht übergibt der Bürgermeister am 6. April 1945 amerikanischen Truppen die Stadt. Am 1. Juli 1945 wird Eisenach als Teil Thüringens an die sowjetische Besatzungsmacht weitergereicht, die die Stadt mit Amtsenthebungen und Schauprozessen auf Linie bringen.

Die Nähe zu Nordosthessen wird Eisenach nun zum Verhängnis. Eisenach ist in Teilen abgehängt im Sperrgürtel und verliert in den nächsten 30 Jahren 5000 Einwohner. Zwar werden die bisherigen Eigentümer des Automobilwerkes – die BMW AG – enteignet, aber das Werk kann der Demontage durch die sowjetische Besatzungsmacht entgehen –  bis zur Wende wird hier der Wartburg gebaut; statt BMW EMW.

Den Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953, an dem sich 6000 Arbeiter beteiligen, beantwortet die Militärverwaltung der Sowjets mit dem Einmarsch von Truppen und der Verhängung des  Ausnahmezustandes.

Über die Zeit der Wiedervereinigung 1990 ist Eisenach ein wirtschaftsstarker Standort geblieben und hat zudem seine hervorragende, zentrale Lage inmitten eines schönen Naturraumes zurückgewonnen.

Bildhinweis: Foto oben: Nicolaitor Eisenach – Interim/pixelio.de