Wandern durch die Winterlandschaft im Schönbuch. Wanderung Armer Konrad, Glashütte bei Weil im Schönbuch und Waldenbuch

1514: Aufstand in Württemberg

Zwischen Mai und September 1514 erschüttert der Aufstand “Armer Konrad” Württemberg. Dem Bündnis des “Gemeinen Mannes” gehören Bauern und Handwerker an, aber auch verarmte Bürger und Mitglieder der Geistlichkeit.

Die Wurzeln des Aufstands liegen schon einige Jahre zurück: Auf dem Reichstag zu Worms 1495 erhebt der deutsche König Maximilian I. die bisherige Grafschaft Württemberg zum Herzogtum. Aus dem Esslinger Vertrag (1492) ist der Herzog aber gezwungen, mit der Ehrbarkeit, den Vertretern der einflussreichen Stände, zu regieren.

Kohle für Reisig
1495 erlässt Herzog Eberhard I. die Landesordnung von Württemberg. Unter anderem werden darin Allmendrechte der Bürger und Bauern – gemeinschaftliche Rechte an der Nutzung von Land – beschnitten:

  • Herzogliche  Forstmeister dürfen auch im Allmendwald Einschränkungen vornehmen (und nutzen ihre Macht zum Ausbau persönlicher Vorrechte)
  • Bannwälder werden aus der gemeinschaftlichen Nutzung ausgenommen
  • Restholz und Reisig müssen künftig bezahlt werden
  • Teile des Waldes werden eingezäunt und dürfen nicht mehr beweidet werden
  • Nur noch bestimmte Flächen stehen zur freien Verfügung

Diese Regelungen führen zu einer dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation von großen Teilen der Bevölkerung. Diese Situation wird noch verschärft durch Missernten. So steigt nach einer Missernte der Preis für ein Scheffel Dinkel um 500 Prozent.

Gleichzeitig muss das Volk für den Prunk und die Verschwendungssucht des Herzogs und des Adels aufkommen, was den Unmut der Bevölkerung anheizt.

Wasserprobe von Großheppach

Als Initialzündung für den Aufstand des Armen Konrad gilt die “Wasserprobe” des Beutelsbachers Peter Gaiß:
Als Herzog Eberhard die Einführung einer Vermögenssteuer plant, wird er von der Oberschicht, der “Ehrbarkeit” daran gehindert. Kurzerhand wandelt der Herzog die Vermögenssteuer mit Hilfe verringerter Gewichte in eine Verbrauchssteuer um.

Die Differenz zwischen altem und neuem Gewicht, das sogenannte Umgeld, geht als neue Steuer an den Herzog.

Peter Gaiß aus Beutelsbach, einer der Anführer des Armen Konrad nimmt die neuen Gewichte und macht unter reger Anteilnahme des Volkes die Wasserprobe. Er wirft die Gewichte in die Rems bei Großheppach. Schwämmen sie, sei die Obrigkeit; gingen sie unter, sei hingegen der gemeine Mann im Recht.

Das Gottesurteil fällt aus wie erwartet.

Foto: Winterlandschaft – © Lupo/pixelio.de