Ernst Moritz Arndt –
der große Sohn der Insel Rügen

“Nach einem neuen System des Völkerrechts, plündert man die Nationen,  um sie frei zu machen und man macht sie frei, um sie zu plündern”.

Ernst Moritz Arndt, der große Sohn der Insel Rügen © Georgios Kollidas/Fotolia.com
Ernst Moritz Arndt © Georgios Kollidas/Fotolia.com

Dieser Satz von Ernst Moritz Arndt zu den politischen Zuständen in Europa unter Napoleon ist 200 Jahre alt – klingt aber sehr modern. Arndt, der große Lyriker der Epoche der Freiheitskriege, der bis zu seinem Tod im Jahr 1860 als politischer Publizist und engagierter Verfechter von Einheit und Freiheit das Deutschland des 19. Jahrhunderts mit geprägt hat,  wird am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1769 in Groß-Schoritz auf Rügen geboren. Sein Vater hatte sich ein halbes Jahr vor seiner Geburt aus der Leibeigenschaft des Grafen Malte zu Putbus für die hohe Summe von 80 Talern frei gekauft und erspart so seinem Sohn als Leibeigener geboren zu werden.

Arndts Mutter, Friederike Wilhelmine –  Bauerstochter von der Insel – prägt den jungen Ernst Moritz mit dem Erzählen von Sagen und Legenden ihrer rügischen Heimat.  Vom Hirten zum Inspektor auf dem gräflichen Gut aufgestiegen, kann der Vater 1776  mehrere Güter pachten und seinem Sohn das Gymnasium in Stralsund und das Studium in Greifswald – die Greifswalder Universität ist nach Arndt benannt – und in Jena ermöglichen.

Theologie, Geschichte, Geographie und Völkerkunde, sowie Sprachen und Naturwissenschaften werden Schwerpunkte seiner Studienzeit. Nach dem Studium unternimmt Arndt ausgedehnte Reisen nach Schweden, Italien, Frankreich und Norddeutschland.
Nach seiner Rückkehr wird er Hauslehrer auf Rügen und schließlich habilitiert er sich 1800 an der Universität zu Greifswald mit einer Arbeit  über die Ideen Jean Jaques Rousseaus.
Im selben Jahr heiratet Arndt Charlotte Quistorp; doch seine Frau stirbt bei der Geburt des Sohnes Karl Moritz.

In der Folgezeit veröffentlicht Arndt als Privatdozent  mehrere Schriften, in denen er zu den Themen der Zeit Stellung bezieht – Aufklärung, Leibeigenschaft, Fürstenherrschaft, Napoleon.
Er ist radikal in seinen Äußerungen, wird verklagt von Gutsbesitzern, duelliert sich mit einem schwedischen Offizier. Und doch kann er weiterarbeiten und das sogar im Dienste der schwedischen Krone, welche über Pommern herrscht.
 Napoleons Sieg 1806 bei Jena und Auerstedt zwingt ihn zur Flucht nach Schweden, wo er sein Werk “Geist der Zeit”, eine Schrift “gegen Fremdherrschaft in Deutschland”, vollendet und weiter für die schwedische Regierung tätig ist.

Drei Jahre später reist Arndt illegal nach Deutschland ein und 1812 folgt er dem preußischen Reformer Freiherr vom Stein nach St. Petersburg als dessen Sekretär.
Nach Napoleons Niederlage kann Arndt wieder in seine Heimat  zurück und heiratet 1817 Anna Maria Schleiermacher, die Tochter des berühmten Theologen Friedrich Schleiermacher. Er bekommt eine Professur an der neuen Universität Bonn, doch schon 1819 werden seine, von radikalem, freiheitlichem Geist geprägten Schriften wegen demagogischer Tendenzen beschlagnahmt und er selbst suspendiert.
1826 verliert Arndt die Professur und widmet sich  nun ganz seiner Arbeit als Schriftsteller.  Gedichte, Kirchenlieder, Flugblätter, Märchen, politische Schriften entstehen in dieser Zeit. 1840 wird er von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen rehabilitiert.

Die Nationalversammlung  in der Paulskirche in Frankfurt wählt ihn 1848 zum Alterspräsidenten, aber kaum ein Jahr später wendet er sich enttäuscht ab, lehrt weiter in Bonn und wird bis zu seiner Emeritierung 1854 Rektor der Universität.

Ernst Moritz Arndt stirbt am 29.01.1860 in Bonn.

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