Martin Luther

Martin Luther - © Georgios KollidasMartin Luther, der Reformator hat die Welt verändert – den Glauben ebenso wie die Politik, die Kultur, die Gesellschaft …

Martin Luther wird am 10. November 1483 in Eisleben als zweitältester Sohn von Hans und Margarethe Luder geboren.
Hans Luder ist Bergmann und muss mit seiner Familie in das Erzbergbaugebiet nach Mansfeld ziehen, wo Martin aufwächst und in die Schule geht.
Die Luders arbeiten hart und sind sparsam. Schon nach kurzer Zeit kann der Vater eine Erzhütte pachten und als Martin erwachsen ist, besitzt der Vater mehrere Beteiligungen an Hütten und Schächten.
Um dem Sohn den sozialen Aufstieg zu ermöglichen, wird in seine Ausbildung investiert – Martin studiert in Erfurt an der “Artistenfakultät” (Vorläufer der philosophischen Fakultät) und schließt im Januar 1505 mit dem Magister artium ab.

Wanderung Eisenach - Wartburg - Drachenschlucht
Wanderung Eisenach – Wartburg – Drachenschlucht

Luthers Schwur
Im Laufe dieses Jahres soll Martin das Studium der Rechte an dieser Universität beginnen. Bevor es dazu kommt erlebt er auf dem Rückweg von Erfurt nach Mansfeld ein heftiges Sommergewitter. Als direkt neben ihm ein Blitz einschlägt, fleht er die heilige Anna an, sein Leben zu verschonen und verspricht, Mönch zu werden. Luther kommt unversehrt zu Hause an; zwei Wochen später tritt er in das Augustiner-Eremitenkloster in Erfurt ein.
Luther hätte dieses Gelübde durchaus abschwächen können – mit ein paar minderen Bußen. Aber hier zeigt sich schon die Radikalität seiner Persönlichkeit im Verhältnis zu Gott und der Welt.

Luther wird nicht nur einfacher Mönch. Er absolviert die klösterliche Hierarchie im Eiltempo. Bereits 1512 ist er Professor für Theologie in Wittenberg und drei Jahre später Distriktsvikar.

Glaubenszweifel
Sein Klosterleben ist aber auch von vielfältigen Glaubenszweifeln begleitet, welche er durch strenge Askese zu bekämpfen sucht, die auch seiner Gesundheit nachhaltig Schaden zufügt.
Wiederkehrendes Thema für ihn persönlich und in seinen Vorlesungen ist die Sündhaftigkeit des Menschen vor dem gerechten Gott.
Nach Jahren des Ringens reift in ihm die Erkenntnis:
Die Gerechtigkeit Gottes ist ein Gnadengeschenk, das den Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus gegeben wird und nicht durch eigenes Handeln erzwungen werden kann. Diese Gewissheit wird die theoretische Grundlage der Reformation der Kirche.

Ablassstreit
Zur praktischen Umsetzung seines Glaubens an den “gnädigen Gott” bietet der zu dieser Zeit in der Kirche heftig geführte Ablassstreit den Anlass. Luthers Protest gegen die verweltlichte Romkirche und deren Handel mit Ablassbriefen zur Erlangung “gekaufter Seligkeit” formuliert Luther in den 95 Thesen von Wittenberg am 31. Oktober 1517. Seine Thesen finden rasche Verbreitung und Luther wird Sprachrohr für das von der Kirche entfremdete Kirchenvolk.

Alle Versuche der Amtskirche und des katholischen Kaisers, Luther zum Schweigen zu bringen, scheitern. Der Bann aus Rom im Jahr 1521 oder die Reichsacht nach der Reichsversammlung in Worms im selben Jahr – Luther schert sich wenig darum und wird von seinem Landesherrn heimlich unterstützt. Nicht nur der gemeine Mann, auch die Stände begeistern sich für seine Forderungen. Der Kaiser ist zu dieser Zeit viel zu sehr mit Kriegen in Frankreich und gegen die Türken beschäftigt, um die Reichsacht durchzusetzen.

Luthers Ablösung von Rom vollzieht sich innerhalb weniger Jahre. Bereits 1526 wird in Kursachsen das Kirchenwesen in seinem Sinne neu und einheitlich geregelt.

Gefährliche Gegner
Andere Gegner, so die Täufer und Spiritualisten, waren für den Erfolg der Reformation gefährlicher. Nur mühsam kann Luther die Radikalisierung der Reformation abwenden. Andreas Bodenstein zu Karlstadt, Professor in Wittenberg, nutzt die Abwesenheit Luthers auf der Wartburg, um die Reformation zu forcieren. Luther eilt nach Wittenberg und kann den Richtungsstreit beenden. Karlstadt muss Wittenberg verlassen, bleibt in der Folgezeit aber scharfer Kritiker Luthers.
Kernpunkt des Streits ist die Deutung des Abendmahls. Einer der heftigsten Kritiker Luthers in diesem Punkt ist der Schweizer Huldrych Zwingli. Von Zürich aus beeinflusst Zwingli die protestantische Bewegung im Dreiländereck Südwestdeutschlands, der Schweiz und dem Elsass.

Luthers Schriften zum Bauernkrieg aus den Jahren1524/25, “Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft in Schwaben” und ” Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern” sind entgegen der Legende vom “Fürstenknecht Luther”, dessen Versuch, die Freiheit des Christenmenschen gegen politische Vereinnahmung zu verteidigen.
Luther spart soziale und gesellschaftliche Probleme seiner Zeit in den zahlreichen Schriften, die er verfasst, nicht aus Aber er sieht sie immer unter dem Blickwinkel der Auslegung der Bibel.
So verpflichtet er die Untertanen zwar zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, sieht gleichzeitig aber den Staat in der Pflicht, die Forderungen der Evangelien zu erfüllen und sich Gottes Gericht zu unterwerfen.

Die Lutherbibel
Motor der Reformation ist unter anderem auch seine Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache. Die Lutherbibel wird ein Meilenstein der Literatur und schreibt Sprachgeschichte in Deutschland.
Ebenso verhält es sich mit dem von Luther verfassten Katechismus; eine Darstellung seiner Lehre. Dieses Werk hat in der ursprünglichen Form heute noch Gültigkeit.

Luthers Ehe mit Katharina von Bora
Auch Luthers Privatleben sorgt für Aufsehen. Im Jahre 1525 heiratet Martin Luther die Nonne Katharina von Bora. Nach damaliger Überzeugung entspringt solch einer Verbindung der Antichrist. Die Eheleute haben sechs Kinder und Luther lebt mit seiner Familie in Wittenberg.
Luther schreibt, predigt, hält Vorlesungen und hat häufig Besuch. Er lebt häuslich, aber sein radikaler Geist befeuert ihn auch im Alter noch. Kurz vor seinem Tod wettert er “wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet”.
Luther stirbt am 18. Februar 1546 in Eisleben an einem Herzleiden, das er sich bereits als junger Mann im Kloster zugezogen hat.

Foto: © Georgios Kollidas/Fotolia.com