Wanderung auf dem Bergbaulehrpfad in Geyer im Erzgebirge

Wanderkarte Geyer im Erzgebirge
Wanderkarte Bergbaulehrpfad Geyer im Erzgebirge

Unsere Wanderung auf dem rund 12 Kilometer langen Bergbaulehrpfad Geyer - Ehrenfriedersdorf beginnt am Parkplatz Greifenbachmühle im Tal des Greifenbachs. Eine gut gemachte Infotafel und die überwiegend übersichtliche Wegführung lassen die etwas ungenauen Darstellungen auf diversen Karten vergessen.

Den Greifenbach geht es aufwärts. Bereits nach ein paar hundert Metern kommt der "Reiche-Silber-Trost-Stolln". Durch den Eingang, das sogenannte "Mundloch", lässt sich der Stolln betreten und einige Meter in den Berg verfolgen -  eine Stirn- oder Taschenlampe im Rucksack ist von Vorteil.

An den Resten der ehemals längsten Schmalspurbahnbrücke Deutschlands vorbei, passieren wir die Trainingsstätte des Skisportvereins Geyer e.V mit Sprungschanzenkomplex. Eric Frenzel, Weltmeister, Olympiasieger und dreifacher Gesamtweltcupsieger in der Nordischen Kombination wohnt in Geyer. Im Winter sind hier auch diverse Loipen gespurt.

Den Röhrgraben entlang durch den Wald

Ein wichtiges Element des Erzbergbaues ist das Wasser. In der Frühphase der Erzgewinnung warf man das erzhaltige Gestein einfach in den Greifenbach. Dann wurde der Bach aufgestaut, bis sich das Metall abgesenkt hatte und dann langsam abgelassen.
In späterer Zeit entstand dann der "Röhrgraben", auf den wir nun stoßen.

Daten & Infos



Die Karte im Großformat
Strecke: ca. 12 Kilometer
Schwierigkeitsgrad: leicht

Dauer: ca. 3,5 Stunden


Wanderkarte: Kompass - Digitale Wander- u. Fahrradkarte

 

Dieser künstlich angelegte Wassergraben führte in geringerem Gefälle als der Bach Wasser dem Bergwerk in Ehrenfriedersdorf zu. Mit dem Wasser wurde das Metall vom Abraum geschieden.

Unser Weg folgt dem oberirdisch verlaufenden Graben einige Zeit durch den Wald. Doch vorher können wir noch am Greifenbachstolln einen Blick in das Innere der erst 1992 geschlossenen Anlage werfen. Hier bietet sich auch eine Rast an.

Am Graben entlang erreichen wir bald darauf den Greifenbachstauweiher. Gleichzeitig mit dem Röhrgraben errichtet, diente der Stausee der konstanten Wasserversorgung des Bergwerkes am Sauberg in Ehrenfriedersdorf. Heute ist der Stausee ein beliebter Badesee, zudem versorgt er die Region mit Brauchwasser und dient dem Hochwasserschutz..

Toni's Haus der Steine

Eine Besonderheit am Stausee ist "Toni´s Haus der Steine". Wer über Mineralien und Steine mehr wissen will, wird dort umfassend informiert und kann selbst schleifen, Mineralien suchen und sogar seinen eigenen Schmuck herstellen.

Unser Lehrpfad führt nun zu den namengebenden Greifensteinen, dem Naturtheater, dem Berghotel und dem Berghaus mit seinen Ausstellungen.
Nach ausgiebiger Besichtigung geht es durch die bizarren Granitfelsen und dann rechts zur "Stülpener Höhle". Karl Stülpner, Volksheld, Wilddieb und Rebell des 18. Jahrhunderts soll sich hier versteckt gehalten haben.

Auf dem Waldgeisterpfad

Weiter geht es auf dem Hauptweg ein Stück den Waldgeisterpfad und den bodenkundlichen Lehrpfad entlang. Am Waldrand angekommen sehen wir im Tal schon Ehrenfriedersdorf. Wir folgen dem Albin Langer Weg bis zur Greifensteiner Straße. An einem Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert überqueren wir die Straße und wenden uns Richtung Gaststätte Steinbüschel.
Nach einer Gärtnerei geht es rechts durch ein Neubaugebiet talabwärts ins Zentrum der Stadt. Am Haus des Gastes vorbei erreichen wir die Hauptstraße und folgen den Hinweisschildern zum Schaubergwerk "Am Sauberg".
Die Besichtigung des 110 m tiefen Bergwerkes lohnt, um sich ein Bild von einer der ergiebigsten Abbauanlagen des Erzgebirges zu machen.

Anschließend gehen wir zurück auf die Thomas-Mann Straße und dann stadtauswärts an der Specht Brauerei vorbei in die August-Bebel Straße. Wer freie Transportkapazität hat, besucht den Brauereiladen und nimmt von jeder Biersorte - es sind deren sechs - eine Flasche mit; sie schmecken alle vorzüglich!

Bergauf mündet die Bebel-Straße in die Alte Geyersche Straße. Wir folgen ihr bis auf die Höhe und genießen dort einen schönen, weiten Ausblick über die Kammlagen des Erzgebirges.

Vorwerk Hahnrück

Am Vorwerk Hahnrück angekommen, können wir uns an einer liebevoll gemachten Tafel über die Geschichte dieses traditionsreichen landwirtschaftlichen Betriebes informieren. Um das Hofgelände herum geht unser Wanderweg.
Aber Vorsicht, die Wegführung nach Karte ist ungenau und Markierungen sucht man vergebens. Wer es einfacher haben will, geht die Fahrstraße direkt zur Greifenbachmühle.

Etwas abenteuerlicher ist unser Weg den Forstweg entlang, an einer Höhenmarkierung vorbei, in den Wald auf dem Hahnrück. Immer geradeaus, bis der Weg sich gabelt, dann links zum Waldrand an dem eine Schutzhütte steht.
Hier muss es eine Verbindung zum Vorwerk gegeben haben, die aber für uns nicht erkennbar ist. Am Waldrand rechts dem Trampelpfad folgen, an Zäunen von Schonungen vorbei und der Höhenlinie entlang bis der Weg bergab auf den uns bekannten Röhrgraben stößt. Ein Stück bachaufwärts, und wir können auf der anderen Seite dem Bachlauf abwärts folgen, bis er an einer Hütte in einem Rohr verschwindet. In der Mittagshitze dieses Sommers mit Temperaturen bis 38° war dieses Stück an dem leise plätschernden, kristallklaren Bach etwas ganz Besonderes.
Unterhalb eines Gehöftes stoßen wir auf die Geyersche Straße, die wir bergab gehen bis zu unserem Ausgangspunkt, dem Parkplatz an der Greifenbachmühle.

Verbindung untergepflügt

Eigentlich war der Bergbaulehrpfad so angelegt, dass man von Geyer aus loswandert und die Rundwanderung hier auch endet. Leider ist die Verbindung, wie im Führer über den Lehrpfad eingezeichnet, nicht mehr vorhanden. Wir haben auch etwa eine Stunde gesucht, um herauszufinden, dass der Wanderweg von der Binge zur Mühle wohl untergepflügt wurde.
Nun kann, wer will, die Kreisstraße von Geyer bergab zur Mühle laufen, was aber nicht sehr schön ist, vor allem am Anfang der Tour. So haben wir uns entschlossen, den Besuch des Städtchens Geyer der Wanderung anzuschließen.

Das Turmmuseum in Geyer / Erzgebirge

Museum im alten Wachtturm

Das sehenswerte Heimatmuseum im Wachturm an der St. Laurentius Kirche ist Ausgangspunkt des Stadtspazierganges. Wochentags ist das Museum ab 15.00 und samstags ab 16.00 geschlossen. An der Friedhofsmauer, in die Gedenktafeln für die Gefallenen der Stadt eingelassen sind, vorbei erreichen wir den Lotterhof. Im Lotterhof wohnte bis zu seinem Tod  im Jahr 1580 der Baumeister Hieronymus Lotter, der Erbauer der Augustusburg und des Alten Rathauses in Leipzig.

Den Weg Am Lotterhof bergauf gehend kommen wir zum Huthaus der Binge. Das Huthaus war für die Bergleute Waschraum, Kleiderkammer, Werkzeuglager und Andachtsraum für ihre gefahrvolle Arbeit unter Tage am Geyersberg.
Durch "Feuersetzen" und das anschließende Abkühlen mit Wasser, wurde das erzhaltige Gestein mürbe gemacht. Dann, mit Schlegel und Hammer abgebaut, entstanden im Berg bis zu 40 m mächtige Hohlräume. Der erste Bergsturz ereignete sich 1704 - aber es wurde weiter abgebaut.

Hundert Jahre später, am 11. Mai 1803, brach dann der ganze Berg in sich zusammen und begrub zwei Bergleute für immer unter sich. Es entstand ein Krater beachtlichen Ausmaßes, die Binge. Heute ein Naturdenkmal, beherbergt sie seltene Tiere und Pflanzen.

Nach dem Besuch dieses Wahrzeichens der Stadt begeben wir uns noch auf einen Rundgang durch Geyer. Auf Anregung von Frau Klaus aus dem Tourist-Infozentrum im sehenswerten Rathaus, besuchen wir die Werkstatt und den Laden von Matthias Dietzsch in der August-Bebel Straße 37.
Alles, was an Volkskunst im Erzgebirge Tradition hat, ist bei Matthias Dietsch ausgestellt und kann erworben werden - außer natürlich die Erbstücke seiner Väter und Vorväter. Dietzschs Vater war der letzte Posamentierfabrikant. Er wurde 1970 enteignet.

Matthias Dietzsch zeigt, erklärt und ist mit Leidenschaft dabei, die Zeit in der dieses, heute fast ausgestorbene Handwerk Tausenden von Menschen der Region Brotberuf war, zum Leben zu erwecken. In seiner Werkstatt, in handwerklicher Tradition seit 1872, bietet er Einblicke in die erzgebirgische Handwerkskunst.
Für Kinder besteht die Möglichkeit, ein kleines Andenken in Holz zu gestalten. Erwachsene können einen Schnitzkurs belegen.