Blick hinunter ins Murgtal ©

Siedlungsgeschichte des Murgtals

Das Murgtal ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Geologie und Landschaftsform Besiedelung und Gewerbe beeinflussen.
Die enge Schlucht im mittleren Lauf der Murg bildete über Jahrhunderte einen Sperrriegel der Besiedelung. Das Murgtal endete in zwei Sackgassen. Deshalb wurde es auch erst spät und von zwei Seiten, dem Rheintal von Westen und dem Heckengäu von Osten, besiedelt.

Zwar wurden Spuren von Besiedlung im Übergang zur Bronzezeit um 2800 – 2200 v. Chr gefunden und auch im 1. Jahrhundert v. Chr. waren Teile des oberen Murgtales schwach besiedelt. Aber es fehlen germanisch/römische Spuren wie am Rhein oder im Gäu – keiner der Orte des Murgtales hat die typischen Endungen wie -ingen oder -hausen.

Urbarmachung ab dem 7. Jahrhundert

Erst in allemannisch-fränkischer Zeit, ab dem 7. Jahrhundert begann die Urbarmachung des inneren Schwarzwaldes. Nach einem Rückgang der Besiedelung im 10. und 11. Jahrhundert nahmen mit dem hochmittelalterlichen Landesausbau der Tübinger Pfalzgrafen im 12. und 13. Jahrhundert die Rodungen im oberen Murgtal zu; die Bevölkerung und die Siedlungsfläche wuchs. Ortsnamen auf -wald, -rieth, -schwand und Gewässernamen wie -bach, -bronn usw. deuten auf Rodung und Siedlung entlang des Wassers hin.

Hinsichtlich der Siedlungsgeschichte des Murgtales fällt auf, dass die Dörfer keine Allmende, also keine gemeinschaftlich bewirtschaftete Flächen aufweisen wie in alemannisch-Franken im frühen Mittelalter üblich – so übrigens auch im Südschwarzwald.

Die Rodungen und die Urbarmachung oblagen seit dem 11. Jahrhundert den Fürsten und kirchlichen Herren – im unteren Murgtal den Grafen zu Eberstein, im oberen Murgtal den Herzögen von Schwaben.

Durch königliche „ Einforstung“, d.h. durch Einrichtung und Abgrenzung von Wald und Heide, entstand der Forst. In ihm waren Jagd und Fischfang dem Grundherrn vorbehalten. Holznutzung, Viehauftrieb und Rodung durch die Bewohner angrenzender Orte waren eingeschränkt und im Forst- und Wildbann niedergelegt.

Auf den Hochflächen entstanden Waldhufendörfer inmitten von Rodungsflächen, auf denen das Vieh weidete. Zu dieser Zeit war ein Drittel des Waldes Heide, die jährlich abgebrannt wurde.

Der Wald bestand aus Buchen und Tannen 

Am Talboden entwickelten sich kleine Weiler und entlang der Seitentäler aufwärts siedelten die Menschen in Einzelhöfen oder die Hofstellen waren aneinandergereiht wie im Tonbachtal. Manche Siedlungen entstanden auch an höher gelegenen Heuschobern, welche wie im Gebirge angelegt wurden.

Bildhinweis: Blick hinunter ins Murgtal © Geschichte zu Fuß; Wolfgang Wirtz