Rundwanderung im Wendland: Gartow – Höhbeck – Vietze

Höhenprofil der Wanderung Calw Hirsau

Aufbruch in Gartow

Unsere erste Geschichtswanderung im östlichen Niedersachsen führt in den Landkreis Lüchow - Dannenberg, das Wendland.

Wir starten in der Springstraße in Gartow bei der Touristeninformation. Hier können wir uns mit einer guten Karte und einer Broschüre über den "Höhbeck", eine Erhebung an der Elbe, ausstatten. Diesen Bergsporn, direkt an der Elbe, wollen wir umwandern und gehen die Springstraße abwärts zum Deich am Gartower See.

Am See geht es links auf dem Deich lang, bis wir am Ende des Deiches diesen nach rechts verlassen und in das Feuchtgebiet der Seegeniederung kommen. Die Seege ist ein kleiner Fluss, der den Gartower See durchfließt und in die Elbe mündet.

Am Pfahlkreis

Am Ende des Biotopes erreichen wir die L 258, der wir nach links folgen zu unserer ersten Station. Nach ein paar Metern auf der Landstraße kommt ein Parkplatz, auf dem ein Pfahlkreis aus Baumstämmen aufgebaut ist.
In der Broschüre "Zeitfenster - Spurensuche in der Geschichte",  die vom Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue herausgegeben wurde und die wir in der Gartower Touristeninformation bekommen haben, wird dieses Monument ausführlich erklärt. Wer mehr wissen will: Die Broschüre steht hier als PDF zum Download bereit

Pfahlkreis aus Baumstämmen © Rickmer Stohp/geschichte-zu-fuss.de
Pfahlkreis aus Baumstämmen © Rickmer Stohp/geschichte-zu-fuss.de

Auf dem Weg um den Höhbeck

Weiter geht es nach Restorf durch die Schmiedestraße bis zum Brackweg. Hier wenden wir uns links und die nächste wieder rechts in die Feldmark. Kaum zu glauben, aber hier wo es so feucht ist, werden die Maisfelder noch bewässert. Dieser Feldweg stößt auf den Deich, der die Siedlung vor dem Hochwasser der Elbe schützen soll.

Um die recht jungen Deiche zu pflegen und zu verdichten, werden Schafe in Koppelhaltung aufgetrieben. Etwas merkwürdig, dass auf dem Warnschild am Zaun auch auf Herdenschutzhunde hingewiesen wird. Warum die hier notwendig sind, erfahren wir später.

Der Deichweg endet am Waldrand, hier gehen wir links. Wir kommen in den Wald und kurz danach an ein Schild, das uns auf die "Sichtschutzwand Brinkendorf" hinweist.

Dies ist unsere zweite Station und wir können das Vogelschutzgebiet hinter den Palisaden durch Sehschlitze beobachten, ohne die Tiere zu beunruhigen.

Daten & Infos

Die oben verwendete Karte als PDF
Strecke: ca.  20,5 Kilometer
Schwierigkeitsgrad: leicht
Dauer: ca. 6 Stunden

Wanderkarten und Reiseführer: Kompass - Digitale Wander- u. Fahrradkarte

Zurück auf dem Waldweg geht es geradeaus und nach etwas mehr als einem Kilometer rechts zum "Naturschutzpfad Laascher See". Gleich hinter dem See stoßen wir auf die K 28 und gehen auf dieser Straße nach dem Ort Vietze.

In Vietze: Kapelle und Museum

Nach dem Reitweg und einem landwirtschaftlichen Anwesen, kommen wir an die "Kapelle zu Vietze". Leider können wir sie nicht besichtigen, dazu muss man sich im Pfarrbüro anmelden; aber einen kleinen Rundgang über den Kirchhof machen wir.

Nun geht es weiter zur Dorfmitte an die Kreuzung, an der das Höhbeck Museum steht. Auch das Museum ist nur an bestimmten Tagen geöffnet und man sollte sich vor der Wanderung anmelden. In den Sommermonaten Juli und August ist es mittwochs nachmittags offen.

Zum Kastell Höhbeck

Wir wenden uns in die Bergstraße (was für ein Name in dieser Gegend !) und nach ein paar Metern links in die Straße "Am Elbufer".Elbeaufwärts haben wir nun erstmals schöne Ausblicke in die Elbtalauenlandschaft.

An einer Gedenkhalle für die Gefallenen des ersten Weltkrieges vorbei biegen wir kurz danach links auf einen unbefestigten Fahrweg ein. 

Kurz nach dem urigen "Hütten Hotel Elbufer" beginnt, nach dem Abzweig des Weges "Am Heidberg", der "Aufstieg" zum Kastell Höhbeck. Wir betreten den Entdeckerpfad Höhbeck und lassen uns von den Erklärungstafeln, die diese einzigartige Naturregion beschreiben, auf unserer Zeitreise leiten.

Gut einen Kilometer nach dem Kastell erreichen wir die Schwedenschanze und den nahbei liegenden Kaffeegarten Schwedenschanze. Hier gedenken wir des Wandervogels vor hundert Jahren und ihrer Landsiedlung an diesem schönen Ort.

Die nächste Station ist der "Höhepunkt" unserer Wanderung, der Aussichtsturm bei den "Riesen von Gartow". Bis zum Fall der Mauer sorgten die zwei über 300 Meter hohen Funktürme für den Rundfunk - und Fernsehempfang im abgeschnittenen Westberlin.

Schwindelerregende 75 Meter über NN befinden wir uns hier und haben einen Rundumblick über den Gartower Forst und die Elbeniederung bis weit nach Brandenburg und Sachsen - Anhalt. 

Hinter dem Funkturm im Südosten liegt der Bahlsenturm, eine Beobachtungsstation des Seeadlerprojektes in der Seegeniederung. Im Südwesten sehen wir auch  das Atommüllendlager Gorleben - beides sind unsere Ausflugsziele für morgen.

Gespräche mit Auswärtigen und Einheimischen

Wie schon öfters treffen wir Auswärtige, die sich erstaunlich gut im Wendland auskennen und immer wieder Urlaub hier machen, oder einen Zweitwohnsitz haben.

Nun geht es bergab in Richtung Fähranleger an der Elbe. Den lassen wir links liegen, denn wir bleiben diesseits der Elbe und gehen am Deich entlang zum Elbholz. Hier, hinterm Deich, treffen wir den Schäfer, bewundern seinen Herdenschutzhund und werden darüber aufgeklärt, wozu er ihn braucht.

Zum Abschied gibt er uns noch eine Aufgabe mit auf den Weg: die Betonplatten des Deichweges wurden vor einem halben Jahr erneuert und in der Nacht, nachdem sie gegossen wurden, wechselte ein Wolf vom Deich in das Elbholz - wenn wir aufmerksam auf den Weg achten würden, könnten wir seine Spuren entdecken.

Nun, die Wolfsspur haben wir nicht gesehen, dafür treffen wir einen alteingesessenen "Widerständler" aus Hamburg, der das Forsthaus im Elbholz bewohnt.

Wir befinden uns in einer Häusergruppe am slawischen Rundwall, die zum Grundbesitz derer von Bernstorff gehört - wie übrigens fast der ganze Gartower Forst. Der Herr am Gartenzaun dieses alten, reetgedeckten Forsthauses rollt nur mit den Augen, als wir ihn nach dem Wolf fragen - immerhin hält er Hühner.

Alles Panikmache, sagt er und erzählt uns die wirklich dramatische Geschichte, nämlich die von den seltenen Eichenbeständen hier und dem grassierenden Eichenprozessionsspinner. Der jahrhundertealte Eichenbestand im Elbholz ist ein seltenes Biotop und Heimat bedrohter Arten wie dem Schwarzstorch, dem Eichenbock und dem durch Stuttgart 21 bekannt gewordenen Juchtenkäfer. Dieser Bestand ist nun durch den Eichenprozessionsspinner bedroht.

Der Mann selbst stammt aus Hamburg, der Hauptstadt der Bewegung gegen das Atommüllager Gorleben. Graf Bernstorff hatte dem jungen Studenten 1977 lebenslanges Wohnrecht in dem alten, heruntergekommenen Forsthaus eingeräumt, wenn er es instandsetze - was er bis heute mit viel Liebe und ausnahmslos in Eigenarbeit tut.

Zurück nach Gartow

Wir verlassen das Elbholz und betreten eine lange, befestigte Forststraße. Hier bietet sich uns ein trauriges Bild. Diese Allee ist gesäumt von uralten Eichen, die fürchterlich anzusehen sind. Große Astpartien, die abgestorben sind, dazu schütteres Laub an den verbliebenen Ästen. Teilweise sehen wir Ruinen, denen wegen der Verkehrssicherheit Starkäste entfernt wurden und fast überall die hässlichen, sackartigen Gespinste der Spinnerraupen.

Trotz des schönen Sommertages etwas bedrückt, gehen wir weiter in Richtung Gartow. Wir überqueren den nördlichen sowie den südlichen Schaugraben und erreichen Quarnstedt, den Ortsteil von Gartow diesseits der Seege. Nach einem Parklatz und über der L258 kommen wir an den See und gönnen uns am Strand ein Bad, bevor wir das Barockschloss Gartow besichtigen.

Zum Abschluss dieses schönen Wandertages besuchen wir am Abend noch die Wendlandtherme in Gartow - sehr empfehlenswert, vor allem wegen des schön angelegten Saunagartens.