Wandern und Wanderwege in Deutschland. Moedlareuth - das geteilte Dorf © Herla, pixelio.de

Mödlareuth – Das geteilte Dorf

Mödlareuth liegt im Dreiländereck zwischen Franken, Sachsen und Thüringen – fünf Kilometer vom Dreifreistaatenstein entfernt.
Seit jeher ist der Ort durch den Tannbach/Kupferbach zweigeteilt in eine bayrisch-fränkische und eine thüringische Gemeindehälfte. Nach dem zweiten Weltkrieg erleidet die 50-Seelengemeinde das gleiche Schicksal wie ihre große Schwester Berlin: Eine Mauer teilt das Dorf in Ost und West.

Bis zum Sommer 1946 besetzen sowjetische Truppen das Dorf und missachten dabei das Abkommen der Alliierten von Jalta 1945. Im Westteil richten sie ihre Militärkommandantur ein.
Nach dem Rückzug der Sowjets über den Tannbach gen Osten, ist die Trennung endgültig.

Wachtturm der ehemaligen DDR in Mödlareuth

Zu dieser Zeit ist der Übertritt von der amerikanischen zur sowjetischen Besatzungszone und umgekehrt noch möglich. Die Schulkinder aus Bayern gehen in die Grundschule im thüringischen Teil, der Gottesdienst findet im fränkischen Töpen statt.
Abseits der Übergangsstellen ist der Grenzübertritt aber verboten – sowjetische Soldaten, die die Zonengrenze bewachen, sind angehalten von der Schusswaffe Gebrauch zu machen um Schmuggel und Tauschhandel zwischen den Zonen zu verhindern.
Kalte Winter und schlechte Ernten am Ende der 1940er Jahre zwingen die Bewohner zu illegalen Aktionen im Grenzgebiet – viele junge Leute verschwinden spurlos.

Nachbarn und Freunde stehen sich als Feinde gegenüber
Ab 1952 übergeben die Sowjets die Grenzsicherung der neugeschaffenen “Deutschen Grenzpolizei” der DDR. Die Rekrutierung der Grenztruppen findet im grenznahen Raum statt, sodass sich nun Nachbarn und Freunde als Feinde gegenüberstehen.
Dem berüchtigten “Ministerium für Staatssicherheit” (MfS) unterstellt, hatte die militärisch organisierte Grenztruppe dafür zu sorgen strenge Maßnahmen einzuleiten, um Grenzverletzungen zu verhindern und aufzuklären, sowie Grenzverletzer zu stellen”.

Ein Bretterzaun teilt das Dorf
1952 wird die Grenze in Mödlareuth mit einem Bretterzaun versehen, so wie im gesamten Zonengrenzverlauf die Grenze mit Stacheldraht befestigt wird. Im Zuge dieser “Grenzsicherung” werden die meisten Übergangstellen geschlossen – eine Folge der immer größer werdenden Flüchtlingsströme von Ost nach West.
Eine fünf Kilometer breite Sperrzone entlang der ca. 1400 Kilometer langen Zonengrenze entsteht, aus der Tausende von Familien über Nacht vertrieben werden – bezeichnenderweise Aktion “Ungeziefer” genannt.

Selbstmorde, Denunziationen, gegenseitige Überwachung und Misstrauen hinterlassen eine gespenstische Szenerie in diesem Teil der Deutschen Demokratischen Republik.
In Mödlareuth trifft es die Bewohner der oberen Mühle. Die Volkspolizei wartet im Hof darauf, dass die Müllersfamillie ihre Koffer packt – derweil springen sie aus der Scheune über den Bach in den Westen. (Die Mühle wird kurz darauf auf Befehl der DDR-Behörden abgerissen)

Nach dem Volksaufstand
In der Zeit nach dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 wird die “Sicherung an der Staatsgrenze West” weiter verstärkt und im 1954 neu gefassten DDR Passgesetz taucht erstmals der Straftatbestand der “Republikflucht” auf.
Der Bretterzaun durch das Dorf weicht 1958 einem sogenannten “Flandernzaun” aus Stacheldraht. Der Bau der Mauer in Berlin am 13.8.1961 führt zu weiteren “Verbesserungen” an der Grenze am Tannbach. Bis 1964 können die Mödlareuther noch einen Blick “nach drüben” riskieren – nach der Errichtung einer Betonwand ist Sichtkontakt nicht mehr möglich und 1966 wird diese Mauer erhöht und bleibt bis zur Öffnung 1989 bestehen.

Die letzte Flucht
Die letzte Flucht in Mödlareuth gelingt einem Berufskraftfahrer am 25. Mai 1973 und ist, dank der peniblen Buchführung im demokratischen Sozialismus, genau dokumentiert .
Die Relikte dieser unmenschlichen Grenze am Tannbach sind heute in einem Freilichtmuseum zu besichtigen und Teile des Tales gehören zum “Grünen Band Deutschland“.

Quellen + Infotipps zu Mödlareuth, der Region und seiner Geschichte

Bayerisches Landesamt für Umwelt, www. Ifu.bayern.deDeutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, www.moedlareuth.de)
Bayer. Landeszentrale für polit. Bildung, www.blz.bayern.de
ZDF Drehscheibe vom 02.10.2014
Tannbach, mehrteiliger Historienfilm im ZDF, 4./5./7. Januar 2015

Foto oben: © Herla / pixelio.de