Ur-Donau und Geologie – Die Entstehung der Wutachschlucht

Das Schönste an der Wutachschlucht sind natürlich die unverwechselbare Wildbachromantik sowie die vielfältig ausgeprägte Textur des Tales. Spannend sind aber auch die Geschichte ihrer Entstehung und ein Einblick in die Geologie der Wutachschlucht.

Anfänge der Wutachschlucht: Die Ur-Donau

Seit Ende der letzten Eiszeit entwässert die Ur-Donau den Feldberggletscher in Richtung Osten. Sie fließt gemächlich durch die Blumberger Pforte zwischen Eichberg und Buchberg dem Gebiet der Aitrach zu.

Das geht ein paar tausend Jahre so, bis sich von Süden die Ur-Wutach immer weiter an die Donau heranarbeitet. Sie ist wesentlich gefällstärker und irgendwann ist es soweit: Der Durchbruch ist geschafft und die Donau wird von ihrem Quellgebiet am Feldberg abgeschnitten. Sie muss sich etwas Neues suchen und wird bei den beiden Flussgeschwistern Brigach und Breg fündig.

Die Wutach aber fließt nun mit wesentlich mehr Wasser und einer höheren Geschwindigkeit zum Rhein und schneidet das ehemalige Donauflussbett kräftig ein. Dies ist auch der Grund, weshalb die Wutach als einziger Fluss im Süden sämtliche geologischen Formationen Südwestdeutschlands anschneidet. Von den Graniten und Gneisen des Schwarzwaldgrundgebirges über den Buntsandstein und Muschelkalk bis hin zum Jura ist hier in der Schlucht alles zu sehen.

Besiedlung und Nutzung

Die unbändige Kraft der Wutach und damit einhergehend die Hochwasser- und Erdrutschgefahr haben eine nachhaltige Besiedlung und Nutzung der Wutachschlucht verhindert. Ein paar Burgen auf den Höhen, die eine oder andere Mühle im engen Tal, ein Kraftwerk und die ehemalige Kuranlage Bad Boll - alles Geschichte.

Selbst die Schattenmühle wird heute nicht mehr gewerblich genutzt, obwohl die Kraft der Wutach das Zehnfache vieler anderen Flüsse beträgt.

Für die Natur im Tal der Wutach hatte dies den großen Vorteil, dass schon 1939 ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werden konnte. Zwar gab es 1941 Planungen für einen großen Stausee, kriegsbedingt wurden diese Pläne jedoch nie umgesetzt.

Vielfalt der Natur

Die Unterschiede im Kleinklima, der Bodenbeschaffenheit und der Geländeformen auf engem Raum machen den Reiz dieser Flusslandschaft aus. Vom trockenen, heißen Steilhang über die Kiesinseln im Fluss zu den schattigen, feuchten Nordhängen bietet die Wutachschlucht verschiedenen Pflanzengesellschaften einen Lebensraum. Von insgesamt erfassten 2600 Blüten- und Farnpflanzen Baden-Württembergs gibt es hier allein 1200. Feuersalamander, Wasseramsel und Schwarzmilan sind dauerhaft angesiedelt und wer während der Mauser des Milans hier unterwegs ist, findet mit etwas Glück eine Schwingenfeder für seinen Hut.

 

Quellen:

http://schattenmuehle.com/start.html
http://www.wutachschlucht.de/
Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg
Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 9. Auflage 1977, Mannheim, Bd. 25 Seite 54