Obere Donau: Donauversickerung bei Fridingen und Kloster Beuron

Donauversickerung bei Fridingen

Die Obere Donau, deren Lauf wir ein Stück begleitet haben, hat sich hier bei Fridingen ein Durchbruchstal geschaffen. Der junge Fluss musste seine ganze Kraft aufwenden, um die harten Kalksteinschichten des weißen Jura zu durchschneiden. Kein Wunder, dass er kurz zuvor versucht, diese Anstrengung zu umgehen.

Noch heute macht sich ein Teil der Donau unterirdisch davon, um erst 18 Kilometer weiter im Quelltopf der Aach wieder an die Oberfläche zu kommen. Bis zu 400 Liter Wasser pro Sekunde begeben sich auf die Reise im durchlässigen Kalkgestein zu Deutschlands größtem Quelltopf. Die Aach mündet bei Radolfzell in den Untersee des Bodensees und speist damit den großen Konkurrenten Vater Rhein.

Naturpark Obere Donau

In Fridingen beginnt die Obere Donau ihren Kampf, in Sigmaringen hat sie dann das Gröbste überwunden und wird belohnt mit einem Naturschutzgebiet, das ihren Namen trägt.
Der Naturpark ist 1980 gegründet worden, und sein Informationszentrum ist im alten Bahnhof von Beuron untergebracht. Der Schutz dieser einzigartigen Landschaft des Durchbruchstales hat sich ausgezahlt.

Unsere anspruchsvollsten Greifvögel, der Uhu und der Wanderfalke, sind dort heimisch. Sie fühlen sich dort so wohl, dass ihre Vermehrungsrate zu einer grotesken Situation geführt hat. Dem Wanderfalken machen kein DDT, keine Felskletterer oder Nesträuber mehr zu schaffen, sondern der Uhu jagt ihn und dezimiert seinen Bestand. Das nennt man dann ein natürliches Gleichgewicht.

Aber auch sonst gibt es hier in der Natur einiges zu entdecken: Steinröschen, Kolkrabe, Biber, europäischer Frauenschuh und Gemsen.

Vor allem im Herbst, wenn das Laub sich verfärbt und die Wolken in den steilen Felsen hängen, herrscht im Tal der jungen Donau eine ganz eigene Stimmung.

Geschichte des Klosters Beuron

Dieser Stimmung sind wohl auch die ersten Mönche erlegen, die sich hier niedergelassen haben. Der Sage nach schon im frühen Mittelalter am Platz auf dem Kirchberg, wo heute das "Mattheisen Käppelli" steht, urkundlich erwähnt aber erst 1077 in Beuron.

Als Stiftung der Augustiner Chorherren wird Beuron 1687 zur Erzabtei erhoben aber 120 Jahre später, 1802, enteignet und als Besitz den Hohenzollern der Linie Sigmaringen zugeschlagen. Sechzig Jahre später erlebt Beuron eine Wiedergeburt, als Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen den beiden Benediktinermönchen Maurus und Placidus Wolter die gesamte Klosteranlage zur Nutzung übergibt.

Das Kloster erfährt in dieser unruhigen Zeit der beginnenden Moderne und rasanten Industrialisierung mit ihren Verteilungskämpfen einen ungeahnten Aufschwung. Beuron wird wieder Erzabtei und ein Zentrum der geistlichen Erneuerung der katholischen Kirche als Mutterkloster der "Beuroner Kongreation" des Benediktinerordens. Es entstehen zwei Institute zur Erforschung theologischer Grundlagen und eine theologische Hochschule, welche erst in den 1970er Jahren geschlossen wird.

Die "Beuroner Kunstschule"

Die Erzabtei "im stillen Donauwinkel", wie Josef Kreitmaier Beuron beschreibt, wird auch noch in künstlerischer Hinsicht weltberühmt - sie wird Geburtsstätte der "Beuroner Kunstschule".
Der Architekt und Maler Professor Peter Lenz bekommt von Katharina von Hohenzollern im Jahre 1868 den Auftrag, eine Kapelle zu Ehren des heiligen Maurus zu bauen und auszugestalten.

Die Kapelle ist drei Kilometer donauabwärts am Hang gelegen, und Professor Lenz dokumentiert hier zum ersten Mal seinen eigenen Kunststil. Es ist ein Stil im Rückgriff auf frühchristliche Motive und altägyptische, sowie klassische Elemente. Lenz orientiert sich an geometrischen Formen und dem Kernsatz der christlichen Mystik von der "Einfachheit als dem Höchsten".

Lenz spürt in Beuron, dass "hier eine Blume erblühen kann im Garten unserer modernen Kultur". Der Gegensatz zum aufkommenden Expressionismus und der Moderne wird in seiner Kunst offenbar. Zudem wird seine Kunstform als Vorläufer des Jugendstils betrachtet, was in der Klosterkirche der Abtei St. Hildegardis in Rüdesheim und im Herz-Jesu Heim in Meßkirch besonders schön zu sehen ist.

Die Begeisterung für Beuron lässt den Professor nicht los. Lenz entschließt sich, in das Kloster einzutreten. 1872 wird er als Pater Desiderius aufgenommen und bleibt dort bis zu seinem Tode 1928.

Klosterleben

Im Kloster ist das tägliche Leben von den alten Traditionen der Benediktiner bestimmt: der gregorianische Chorgesang, die alte Liturgie und die christliche Mystik als "geheimnisvolle Vereinigung mit Gott durch eine außerordentliche Gabe der Beschauung".

In der Gnadenkapelle, die um die Jahrhundertwende an der Nordwand der Klosterkirche angebaut wird, ist das Wesen der Beuroner Schule am eindrücklichsten verwirklicht.

Quellen:

Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 9. Auflage 1977, Mannheim Bd. 4 Seite 72
Hans-Heinrich Welchert: Wanderungen zu Burgen und Klöstern in Schwaben, Societäts Verlag, Frankfurt am Main 1975
Naturschutzzentrum Obere Donau Beuron
Josef Kreitmaier: Beuroner Kunst. eine Ausdrucksform der christlichen Mystik. 4. u. 5. Auflage. Herder, Freiburg 1923
Desiderius Lenz: Zur Ästhetik der Beuroner Schule. Braumüller, Wien und Leipzig [1898]